Nachhilfe-Hilfe

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Erziehung zur Selbstständigkeit?

PädagogikPosted by Katarina Koch Thu, October 26, 2017 11:21:20

Oftmals hört man, dass Schüler zur Selbstständigkeit erzogen werden sollen. So sieht es dann in der Praxis aus:

In der Grundschule z.B. bekommen Kinder bereits ab der 2. oder der 3. Klasse Wochenarbeitspläne. Diese Pläne müssen Kinder ohne Aufsicht abarbeiten. Dann wird ihre Arbeit bewertet. Ihre Eltern sollten sich dabei nicht einmischen ("das Kind muss es selbst machen") und Nachhilfe gilt als verpönt ("wer schon in der Grundschule Nachhilfe braucht...").

In der fünften Klasse Gymnasium z.B. sollen Kinder von 10 Jahren sich selbst (!) lateinische Deklinationen beibringen. Die Hoffnung, dass es wirklich funktioniert, ist wirklich putzig.

In der Oberstufe des Gymnasiums z.B. sollen Schüler in Deutsch "selbstständig" Informationen zu einem Dichter von einem Arbeitsblatt auf ein Plakat übertragen. Das ist für einen Schüler der Oberstufe eine grandiose intellektuelle Leistung.

Schließlich, als Höhepunkt der Selbstständigkeit (so denkt man), schreiben sich die ehemaligen Abiturienten für ein Fach ihrer Wahl ein und werden Studenten.

Überraschung! In der Uni ist nichts mehr mit Selbstständigkeit. Alles wird vorgeplant, seinen Stundenplan kann man sich nicht selbst zusammenstellen, arbeiten nebenher ist schwer, weil überall Anwesenheitspflicht besteht. Das ist doch eine recht überraschende Wendung! Jahrelang, bereits ab der Grundschule, wurde den Schülern Selbstständigkeit antrainiert, um sie dann in der Uni abzuschaffen. Warum wohl?

Weil es an keiner dieser Stationen um die Schüler oder die Studenten geht, es geht überall darum, den Lernprozess der Schüler oder Studenten möglichst bequem für die Erwachsenen, die in diesem System arbeiten, zu gestalten. Ein Schüler möchte überwacht und kontrolliert werden, denn er ist noch keine reife Persönlichkeit, die sich selbst Grenzen setzen kann. Kinder wollen eine Stütze von außen haben und haben dazu auch jedes Recht, denn sie sind Kinder, sie können keinen Lernplan abarbeiten, das ist eine Überforderung des Kindes. Aber es ist tatsächlich praktisch für den Lehrer, seine Verantwortung auf Siebenjährige oder Achtjährige abzuwälzen oder auf die Eltern.

Ich weiß, wie schwer es ist selbstständig zu arbeiten, denn während meines Studiums habe ich das zum allergrößten Teil gemacht. Ich war aber meinen Professoren, die Druck ausgeübt haben, dankbar. Es hat mir im Studium immens weitergeholfen. Mit den Jahren entwickelt man die entsprechende Disziplin und lernt es, sich intrinsisch zu motivieren. Aber einen Drittklässler lassen wir allein damit? Komm klar, kleines Würstchen, arbeite selbstständig?

Gleichzeitig werden unsere Studenten in einen Käfig aus Stundenplänen und durchtaktierten Vorlesungsreihen gesperrt. Zu der Zeit im Leben, zu der man erwachsen wird und tatsächlich anfangen muss, selbstständig zu arbeiten, wird jungen Leuten der größte Teil ihrer Entscheidungsfreiheit genommen. Weil es organisatorisch leichter zu regeln ist, weil es besser zu den Anforderungen unserer Wirtschaft passt, weil die große Zahl der Studierenden sich nur so im Zaum halten lässt.


Es lebe die Selbstständigkeit! Aber nur dort, wo es praktisch umsetzbar und für Erwachsene von Vorteil ist: bei kleinen Kindern, die sich nicht wehren können.















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