Nachhilfe-Hilfe

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- Wie finde ich die richtige Nachhilfe für mein Kind?
- Wie überprüfe ich die Qualifikation des Nachhilfe-Lehrers?
- Welche Zukunft hat die Nachhilfe-Branche?
u.v.m.

Warum lieben Lehrer Kopien?

DidaktikPosted by Katarina Koch Thu, October 26, 2017 12:08:28
In diesem offenen Brief wird eine Frage gestellt, die ich gern beantworten möchte, und zwar: Warum teilen Lehrer an öffentlichen Schulen so viele Kopien aus und nutzen die Schulbücher kaum?

1. Grund: Das Referendariat

Das ist tatsächlich so. In der Lehrerausbildung, dem sogenannten Referendariat, werden angehende Lehrer "ausgebildet" und - das ist viel wichtiger - beurteilt. Die Beurteilung in diesem Beruf ist sehr schwer: genaugenommen werden "weiche" Kriterien zu "harten" Kriterien hochstilisiert. Damit sich diese Beurteilung irgendwie belegen lässt, muss man Unterlagen haben. Von den Referendaren angefertigte Arbeitsblätter eignen sich hervorragend dazu. An Hand dieser Arbeitsblätter kann man dann den Referendar entweder gut oder schlecht beurteilen, je nachdem, wie sich die zuständige Kommission geeinigt hat.
Allerdings gewöhnt man sich dann als Referendar an, viele Arbeitsblätter zu erstellen, um auf die "Lerngruppe einzugehen und ihre Bedürfnisse zu erfüllen". Das kann man ja mitspielen, solange man Referendar ist, aber im normalen Berufsalltag ist es natürlich Schwachsinn. Es gibt geprüfte und jahrelang getestete Lehrmaterialien, die man einsetzen kann und soll. Lehrer können nicht alles; unter anderem können Lehrer nicht neben ihrem Berufsalltag Schulbücher verfassen, denn das ist nicht ihr Beruf. Ihr Beruf ist es, zu lehren.
Dem Referendar wird beigebracht, dass es wichtiger ist, wie der Unterricht auf Außenstehende wirkt, als seine tatsächliche Qualität. Gut, dass Referendare Akademiker sind, und den meisten Blödsinn durchschauen. Manch schlechte Angewohnheiten bleiben aber vom Referendariat hängen.

2. Grund: Die Schulbuchpolitik

In Bayern werden mittlerweile alle drei-vier Jahre neue Schulbücher gedruckt. Ich frage mich schon, warum man in Latein, wo sich mit den Jahren nicht allzu viele Änderungen ergeben, immer wieder neue Bücher braucht. Oder sitzt da irgendein Ausschuss, der immer wieder Geld kassiert für "die Anpassung der Lehrmittel an den neuen Lehrplan"? Im Fach Geschichte werden Bücher auch verhältnismäßig oft ersetzt, aber das ist klar, man muss ja die Geschichte ein bisschen umschreiben, damit um Gottes willen bloß keine Konservativen in positives Licht gerückt werden.

In Biologie, Chemie oder Physik, hingegen wäre es sinnvoll, die Bücher fast jedes Jahr auszutauschen, denn in diesen Disziplinen ergeben sich durch neue Forschungsergebnisse tatsächliche Änderungen. Das passiert aber nicht.
Da ist es dann verständlich, dass die Lehrer der naturwissenschaftlichen Fächer viele Kopien austeilen müssen.


3. Grund: Übertriebene Differenzierung

Die Lehrer an staatlichen Schulen meinen es oft gut, und wollen wirklich auf die jeweilige Lerngruppe eingehen und auch noch innerhalb dieser Lerngruppe differenzieren.

Das ist ein Unterfangen, welches heutzutage zum Scheitern verurteilt ist. Das Schulsystem ist nicht auf Differenzierung ausgelegt, sonst hätten wir keine Klassenstärken von 33 Schülern im Gymnasium in der achten Klasse, sondern eine Gruppenstärke von maximal fünf Schülern. Wenn Schullehrer differenzieren wollen, sollten sie Nachhilfe geben: da hat man dann einen bis fünf Schüler, da kann man differenzieren. Man verdient aber auch deutlich weniger. Man kann nicht alles haben. Man kann kein Lehrer an einer öffentlichen Schule sein, und wie ein Privatlehrer agieren. Das funktioniert nicht.

Ist man lange genug gegen den Strom geschwommen und hat man also jahrelang versucht, auf alle einzugehen, zu differenzieren, und nebenher behinderte Kinder zu integrieren sowie für deren Motivation verantwortlich zu sein und hübsche Arbeitsblätter für jeden Anlass zu erstellen, dann resigniert man irgendwann und alles wird einem egal. Hätte man sich aber von Anfang an nicht übernommen und sich nicht zu viel Verantwortung aufgehalst, könnte man mit Spaß viele Jahre lang ohne sich zu überarbeiten mit den vorgelegten Schulbüchern nach dem allgemeingültigen Lehrplan unterrichten.

Das Merkwürdige ist, dass das Schulsystem selbst darauf ausgelegt ist, nicht zu differenzieren; es lässt Klassen mit 30 Kindern zu, es druckt für alle die gleichen Bücher etc.etc.etc. Aber die Menschen, die in diesem System arbeiten, versuchen dagegen anzukämpfen. Warum? Es ist eine großartige Errungenschaft der menschlichen Kultur, dass wir öffentliche Schulen haben, wo Kinder in Gruppen unterrichtet werden, weil sich unser Staat das sonst nicht leisten könnte. Es ist wirtschaftlich nicht machbar, allen eine Individualförderung zukommen zu lassen. Wir versuchen das gerade an öffentlichen Schulen und das führt dazu, dass die Gruppenförderung bröckelt. Dann gehen Kinder dorthin, wo echte Individualförderung angeboten wird: in die Nachhilfe.

Schuster, bleib' bei deinen Leisten! Die öffentliche Schule ist keine Kuschelanstalt, es ist eine Behörde, die dazu dient, Kinder zu sozialisieren, grundlegende Bildung zu vermitteln und zu selektieren. Es ist eine herausragende zivilisatorische Leistung, die gerade aus Gutmenschentum (siehe Inklusion) kaputtgemacht wird.











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Warum wird am Gymnasium so viel in Gruppenarbeit gearbeitet und gebastelt?

DidaktikPosted by Katarina Koch Wed, August 23, 2017 18:57:35
Warum sollen Elftklässler in Deutsch zum Dichter Heine, einem der komplexesten deutschen Dichter, ein Plakat malen, statt sich mit seinen Gedichten auseinanderzusetzen?

Die Antwort ist: Handlungsorientierung.

Handlungsorientierung heißt, der Schüler lernt durch Tun und nicht etwa durch untätiges Herumsitzen. Der Lehrer fungiert als Coach und leitet das "Tun" an, indem er passende Materialien und Anregungen liefert.

Akademiker, aufgepasst: aus der Sicht eines handlungsorientierten Ideologen saßen Sie in ihren Vorlesungen untätig herum. Sie haben nichts getan! Denn, das gehört zu dieser Ideologie dazu, "denken" gilt nicht mehr als "etwas tun". Das Gymnasium, das per Bildungsauftrag die Schüler (noch) auf eine akademische Laufbahn vorbereiten soll, lernt jetzt mit "Kopf, Herz und Hand".
Klingt unglaublich, ist aber so - aus der Sicht der Ideologen.

Die Beliebtheit der Handlungsorientierung ist aber pragmatisch recht einfach zu erklären. Erstens bietet Handlungsorientierung angenehme Beschäftigungstherapie für die Schüler. Das Nachdenken über einen Text wird durch hektisches Basteln, Schneiden und Schreiben ersetzt. Die Begegnung mit einer komplexen Persönlichkeit wie Heine wird zu einer banalen Floskel auf dem Plakat reduziert. Die beunruhigende Komplexität der Welt wird aus dem Klassenzimmer verbannt. Zweitens bietet sie dem Lehrer - oder dem Coach oder was auch immer das nun für ein Beruf sein soll - angenehme Entlastung von der Auseinandersetzung mit seiner Klasse. Die Klasse darf sich nun auf die eigene Gruppendynamik konzentrieren. Der Lehrer zieht sich zurück und überlässt die Kinder sich selbst. Das ist dann seine pädagogische Leistung: Sie besteht im Rückzug aus der Klassendynamik.


Handlungsorientierung erleichtert tatsächlich die Arbeit des Lehrers auf Kosten einer fundierten und gründlichen Auseinandersetzung mit der Materie. Statt, zum Beispiel, dem Vortrag des ausgebildeten Germanisten über Heine zuzuhören und seine Gedanken und Eindrücke zu erfahren oder mit ihrem Lehrer zu diskutieren, lesen die Schüler einen Lexikonartikel und füllen dazu einen Lückentext aus. Geboren - studiert - Gedichte geschrieben - gestorben. Und so bleibt Heine für den Schüler ein Hirngespinst, das der Schüler mal auf ein Plakat gemalt hat. Niemand hat sich in diesem Klassenzimmer von Heine mitreißen lassen.
Denn trotz aller emsigen Beschäftigung und der dabei hergestellten Produkte, das Wichtigste fehlt in diesem Konzept: die Denkarbeit und die Begeisterung der Beteiligten.


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Muss Schule Spaß machen?

DidaktikPosted by Katarina Koch Mon, August 21, 2017 16:30:54

Man hört sehr oft, dass Schule doch "Spaß machen muss" und das dies und jedes getan werden sollte, "damit die Schule wieder Spaß macht".
Das Verb "müssen" beinhaltet eine Verpflichtung, der die Schule nachkommen muss, sonst - so unterstellt man doch im Stillen - erfüllt die Schule ihre Aufgabe nicht.
Doch ist es wirklich so? Besteht für die staatlichen Schule eine Verpflichtung, "Spaß" zu machen?

Wenn man in der gängigen Theorie nach Funktionen der Schule sucht, dann erfährt man, dass die Schule im Wesentlichen drei Funktionen hat:

1. Qualifikationsfunktion, das heißt Schule muss Wissen vermitteln;
2. Integrationsfunktion, das heißt Schule muss das Kind in die Gesellschaft integrieren, das Kind zu einer Persönlichkeit formen, die im Zusammenleben mit anderen Menschen gut funktioniert;
3. Selektionsfunktion, das heißt Schule muss selektieren und diejenigen Kinder, die weniger fähig, intelligent und fleißig sind, aussieben und zum Beispiel vom Gymnasium auf andere Schularten schicken.

Eine Funktion der Schule, die sicherstellt, dass Schule dem Schüler Glücks- und Erfolgsgefühle bescheren muss, also das, was wir üblicherweise unter "Spaß" verstehen, gibt es nicht. Die oben genannten Funktionen sind verankert in der Verfassung des jeweiligen Bundeslandes, der Spaßfaktor nicht.

Schule kann Spaß machen, sie muss es aber nicht. Dazu hat sie keine Verpflichtung. Jeder Lehrer in einer staatlichen Schule hat eine entsprechende Ausbildung absolviert und weiß das. Wenn der Spaßfaktor der Qualifikationsfunktion, der Integrationsfunktion oder der Selektionsfunktion im Weg steht, dann wird der Spaßfaktor gnadenlos vernachlässigt.

Warum wird aber dann häufig so getan, als müsste Schule spaßig und unterhaltsam sein? Weil es für die Erwachsenen, die in diesem System arbeiten, angenehmer ist, mit lustigen, fröhlichen und "bespaßten" Kindern zu tun zu haben. Deswegen wird in der Schule oft so getan, als ob der Spaß an erster Stelle steht. Das ist für das Kind fatal, denn es glaubt den Erwachsenen. Es macht Spaß, statt mühselig Aufsätze zu schreiben, Arbeitsblätter auszufüllen oder in der so genannten "Schreibkonferenz" die Aufsätze anderer zu korrigieren. Es macht auch Spaß, bunte Plakate zu malen. Es ist total spannend, stundenlang mathematische Regeln zu erschließen, statt Seite für Seite Bruchrechnen einzuüben. Das alles wird in Partner- oder Gruppenarbeit gemacht, in lustiger Atmosphäre, ganz ohne Druck und macht Spaß.

Und dann kommt die Schulaufgabe, die jedes Kind für sich allein schreibt und benotet bekommt. Dann muss man einen langen Aufsatz schreiben und konzentriert und in Stillarbeit viele Terme auflösen oder einen schwierigen Text übersetzen.

Das heißt, dass hier plötzlich der Spaß aufgehört, ausgerechnet an der Stelle, wo es am wichtigsten ist: bei den Noten. Da ist dann der vorausgehende Spaß egal und es zählt die Leistung. Bei der Qualifikations- und Selektionsfunktion verstehen die Lehrer dann plötzlich keinen Spaß mehr. Kein Wunder: Die Lehrer haben ihren Schulabschluss und Uniabschluss auch nicht in Gruppenarbeit erlangt und haben fleißig für die Pädagogikprüfung gelernt. Sie wissen: Sie müssen in erster Linie Wissen vermitteln. Mit oder - wenn es denn sein muss - ohne Spaß.
Nur die Kinder kommen da nicht so recht mit. Die Besten schaffen das, das Mittelfeld ist verwirrt und die Schlechteren kapieren gar nichts mehr. Gerade eben hat es Spaß gemacht und jetzt halte ich die Fünf in den Händen.

Denn Schule kann Spaß machen, sie muss es aber nicht und manchmal darf sie es gar nicht.


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